| Martin Meißner

Großbaustelle Karli: Wie kann die Stadt helfen?

Seit einigen Wochen laufen die Bauarbeiten auf der Karli auf Hochtouren. Die ersten Geschäftsinhaber beschweren sich bereits über einbrechende Umsätze und bangen um ihre Existenz. Was kann die Stadt Leipzig tun, um ihnen unter die Arme zu greifen? Sollte sie sich überhaupt einmischen?

 

Juliane Nagel, Linke

Natürlich sollte die Stadt sich einmischen. Bezüglich des Prozesses um den Umbau der Karli lässt sich rückblickend auf die vergangenen Jahre sogar von einem vorbildhaften Beteiligungsprozess zwischen Stadt und allen möglichen Akteuren in und um die Karli sprechen. Ein Prozess, der natürlich von Kompromissen geprägt war. Insbesondere die Gewerbetreibenden und Gastro-InhaberInnen haben erfolgreich interveniert, was den Bau in Phasen und unter Erhalt der Zugänglichkeit von Locations betrifft und kritisieren zurecht, dass die Stadt durch Misskommunikation für das Ausbleiben von Kundschaft sorgt. Sprich: es muss eine abgestimmte Kommunikation in die Öffentlichkeit erfolgen, die klar macht, dass die Karli bis Ende 2015 kein "totes Gebiet" ist, sondern lebendig wie eh und je und zugänglich für fast alle Verkehrsmittel. Das ist m.e. der entscheidende Punkt, denn dass die Karli umgebaut werden muss, möchte ja niemand anzweifeln, und dass dies mit Einschränkungen verbunden ist, auch nicht. Es besteht auch die Möglichkeit bei der IHK Entschädigung für krasse Einschränkungen zu beantragen, über die die Stadt dann final entscheidet.

 

Jürgen Kasek, Grüne

Gemeinhin würde man sagen: "Klappern gehört zum Handwerk." Nachdem ich mit einigen Betroffenen gesprochen habe, ergibt sich ein sehr differenziertes Bild und die Behauptung, dass die Umsätze überall einbrechen, lässt sich nicht belegen. Betroffen sind vor allen Dingen die Wirte auf der Karli, die auch die Gründung der IG Karli initiiert haben. Fakt ist, dass die Stadt den Wirten schon entgegenkommen ist mit der Einstellung der Bauarbeiten während der Fußball WM. Fakt ist auch, dass die Außendarstellung verbesserungswürdig ist, da auch bedingt durch die etwas unglückliche Info-Politik der Stadt, verbunden mit der Zuspitzung der IG Karli der Eindruck entstanden ist, dass man die Geschäfte gar nicht mehr erreichen kann. Hier tut vor allen Dingen not, dass verständlich erklärt wird, wo Autos halten können (einige Geschäfte haben das postwendend bekannt gemacht, wie Autofahrer auch weiterhin rankommen), wo die Bauarbeiten stattfinden und dass Fuß- und Radfahrer immer noch unproblematisch überall hinkommen. Die Wirte selber veranstalten ja schon das Event die „Karli bebt“ am 05. April was die Stadt mit unterstützten kann. Ansonsten gilt: Weniger Alarmismus wagen und by the way: nach aktuellen Erhebungen konsumieren Fahrradfahrer ohnehin mehr. Das Leben in der Karli wird auch ohne Autos weitergehen.

 

Markus Walther, CDU

35 Prozent weniger Gäste in der ersten Woche der Baumaßnahmen, konnte man lesen: Das ist schon herb. Hier ist natürlich die Stadtverwaltung in der Pflicht: Sie ist gemeinsam mit LVB und KWL Bauherrin des ganzen Projekts. Mit Antragsunterlagen für Entschädigungszahlungen ist es natürlich nicht getan: Entschädigung gibt es nur unter bestimmten rechtlichen Voraussetzungen. Die Stadt hätte zahlreiche Möglichkeiten, etwas gegen den Umsatzabschwung zu tun, aber nach meinem Eindruck machen Stadtverwaltung und LVB bisher viel zu wenig: Warum findet man an endlos vielen Haltestellen und in den Straßenbahnen Informationen über Streckensperrungen an Wochenenden, aber nichts darüber, dass die Karli jetzt jeden Tag zu Fuß, mit Fahrrad und mit Bahn lückenlos erreichbar ist? Warum nimmt die Stadt nicht einen griffigen Slogan, zum Beispiel „Die Karli ist frei!“, und bringt ihn auf ihre zahlreichen öffentlichen Flächen in der Innenstadt? Warum hat man den Eindruck, dass die Unterstützung der Stadt für die Straßenfeste der IG Karli recht bescheiden ausfällt? Stadt, LVB und KWL bauen, und dann kann man auch von ihnen erwarten, das im Rahmen ihrer Möglichkeiten Richtige zu tun, um die Folgen für die Anlieger abzumildern.

 

Tino Bucksch, SPD

In meinen Augen sollte die Stadt in dieser Frage von konkreten finanziellen Ausgleichszahlungen absehen. Stattdessen sollte sie, wie im Fall des Umbaus der Karli geschehen, weit im Vorfeld eine Beteiligung und Information der betroffenen Anwohner_innen und speziell der Geschäftsinhaber_innen durchführen. Wichtig wäre es, durch eine offensive Kommunikation dies im Vorfeld transparent zu machen. Während des Umbaus muss erneut mit einer offensiven Strategie die zeitlichen Phasen der Bauabschnitte kommuniziert werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass ein Rückgang des Laufpublikums und der Kund_innen auf der Kali oder in einem ähnlichen Fall nicht in einem solchen Maße erfolgt, dass es zu einer existenziellen Bedrohung der Geschäfte vor Ort führt.

 

René Hobusch, FDP

Gleich wieder nach dem Staat rufen, das klingt nicht gerade nach Weltstadt,liebes Weltnest. Wir haben bei der Karli ein tolles Bürgerbeteilungsverfahren gehabt und es ist vereinbart worden, wie Anwohner, Wirte und Ladenbesitzer gemeinsam über die Durststrecke Karli-Ausbau kommen. Vielleicht klappt da noch nicht alles. Aber es wird auch erst seit sechs Wochen gebaut. Wem da jetzt schon das Wasser bis zum Hals steht, dem ging es vermutlich auch vorher nicht viel besser. Sei es drum, wichtig ist jetzt, im Gespräch zu bleiben und nicht wieder die Fronten hochzuziehen. Vielleicht muss nochmal über eine Kampagne à la "Die Karli lebt trotz Umbau" nachgedacht werden.

 

Über den Autor:

Martin hat die Karli früher schon gemieden, wenn er mit dem Auto unterwegs war. Am besten war man dort schon immer mit Bus, Bahn, Fahrrad und zu Fuß unterwegs. Daran hat sich nichts geändert.

Kommentare

Ingo Groepler-Roeser kommentierte auf Facebook

Aber wenn man die Aussagen der Politikertypen genau liest, weiß man auch nicht, ob man heulen soll. Von Blabla bis hin zu klaren Absagen - alles dabei. Positive Aussicht -Null. Da reden gut betuchte Leute aus der ?Leipziger Politik? herablassend über eine Praxis, von der sie Null Ahnung haben. Grausam zu lesen.

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Harald Wendling kommentierte auf Facebook

Wird alles nur "BölaBlaBla" tot geredet!! KEINE KLAREN ANTWORTEN!! Von der Nagel und dem Kassek hätt ich das eh nicht erwartet!! DIE HÄNGEN SICH DOCH EH BLOß REIN WIE TEEBEUTEL!!

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