| André Herrmann

Allasch, Lerche und Gose: Welche Souvenirs man aus Leipzig am besten mitnimmt

Auch wenn Leipzig neuerdings hauptsächlich für Lifestyle und Hipness bekannt ist, braucht man als TouristIn immer irgendetwas, mit dem man den eigenen Besuch in der Heldenstadt zu Hause beweisen kann. André hat sich mal umgesehen, welche Leipzig-Souvenirs sich wirklich lohnen.

Als ich vor 75 Jahren nach Leipzig zog, da brachte man sich aus Klein-Paris vor allem ein Andenken mit: Nichts. Denn man kam erst gar nicht auf die Idee, überhaupt nach Leipzig zu fahren. Alle, die hier waren, waren schon immer da gewesen oder gerade dabei, nach Berlin umzuziehen, weil es dort viel cooler war als hier.

Heute wiederum ist alles anders. Täglich irren tausende TouristInnen durch die Innenstadt oder blockieren in Kolonnen so lange den Burgplatz, bis auch der letzte von ihnen ein doofes Foto gemacht hat, bei dem es so aussieht, als würde er mit dem Zeigefinger die Spitze des Rathausturmes berühren. Für jede/n FahrradfahrerIn sind diese Menschen das absolute Grauen. Es hilft nicht einmal, besonders unfreundlich zu ihnen zu sein, denn dann freuen sie sich nur, wie herrlich authentisch die Leipziger EinwohnerInnen doch sind.

Für die Stadt und findige Einzelhändler sind solcherlei von der Schönheit Leipzigs Geblendete natürlich ein einträgliches Geschäft. Nahezu alles kann man ihnen andrehen, solang man Leipzig draufschreibt oder irgendeine Verbindung zu Bach, Goethe oder den Prinzen herstellen kann.

Ob in der Thomaskirche, am Völkerschlachtdenkmal, im Zoo, am Alten Rathaus oder am Bildermuseum, nahezu überall werden kleine bis große Leipzig-Devotionalien feilgeboten, deren Sinn von immerhin vorhanden bis reden-wir-nicht-darüber reicht. Die Hauptsache ist, dass das Zeug reichlich über den Ladentisch geht.

Im Rahmen meiner investigativen Tätigkeit habe ich mich einmal aufgemacht, zu kategorisieren, welcherlei Souvenirs man erstehen kann, aber vor allem, welche man wirklich erstehen sollte.

Aufgepasst:

 

Kategorie 1: „Weil Oma sich sonst wundert“ aka Traditionelle Souvenirs

Natürlich gibt es auch in Leipzig ein paar Klassiker: Leipziger Allasch, eine weithin als Spirituose bekannte Mischung aus Kümmellikör und dem Schweiß von Burkhard Jung; Leipziger Gose, also das, was man erhält, wenn man die Reste aus 200 leeren Sternburg-Flaschen zusammenschüttet; Leipziger Lerchen, das heißt mit leckerem Teig überbackene Kaugummis von den Sitzflächen der Leipziger S-Bahnen; Leipziger Allerlei, sprich der in Butter geschwenkte Inhalt einer Bio-Tonne; und natürlich Postkarten. Wunderschöne Postkarten vom Alten und Neuen Rathaus, mittelschöne Postkarten vom Gewandhaus oder aber auch ironische Postkarten von den Plattenbauten in Grünau.

Extra-Tipp: Schwäbische Omas freuen sich traditionell besonders über mitgebrachte Eigentumswohnungen.

 

Kategorie 2: „Menschen über 30 finden das neckisch!“ aka Kann man mal machen

Etwas kreativer, aber dafür ein bisschen weniger traditionell, ist da beispielsweise die so genannte KaffeeSachsen-Kollektion. Hier gibt es beispielsweise Frühstücksbrettchen mit Aufdrucken wie „For dn Gudsdn“ oder Kaffeebecher mit der Aufschrift „Gaffee zum Loofn“. Dazu existieren noch Kaffeemischungen aka „Bliemchengaffee“ und eine Backmischung für Eierschecke. Lustig, wenn man es lustig findet, dass einen westlich der Elbe alle Leute lustig finden.

Mein ergänzender Vorschlag für kreative Souvenirs: Ein Else-Buschheuer-Signature-Brettchen mit der Aufschrift ISCH! TRÄH! DORSCH! und ein Schlagring mit der Aufschrift „Goethes eiserne(r) Faust“. 

Kategorie 3: „Die kaufen sowieso alles!“ aka Müll

Die Crux bei Souvenirs ist jedoch, dass die geneigten TouristInnen immer möglichst viel Souvenir für möglichst wenig Geld bekommen möchten. Da dies perfekt mit dem Konzept des Ein-Euro-Shops harmonisiert, hat sich mittlerweile auch die Tourismus-Industrie nahezu perfekt auf das menschliche Bedürfnis nach Ramsch eingestellt.

Wer also schon längst kein modisches Schamgefühl mehr besitzt, darf deshalb gern zu einem hübschen Regenschirm oder einer Plastiktasche greifen, die über und über mit dem Wort „Leipzig“ in einer abartigen Schriftart bedruckt sind. Insofern man sowieso komplett in Jack-Wolfskin- und The-North-Face-Klamotten herum läuft, verschlimmert das auch nichts mehr.

Darüber hinaus gibt es in den Souvenirläden der Stadt nahezu alles, was niemand braucht, aber trotzdem kauft: Bach-Topflappen, Bach-Pralinen, Bach-Miniaturgeschirr, Goethe-Fingerhüte, Goethe-Lesezeichen, Goethe-Pillendosen, Gondwanaland-Zollstöcke, Pinguin-Schneekugeln, sogar ein stadteigenes Monopoly-Spiel existiert.

Mein persönliches Highlight der Sinnlosigkeit: Die Straßenbahn-DVDs der LVB für je 20 Euro, die nichts anderes zeigen als die komplette Fahrt einer Straßenbahnlinie aus Fahrersicht. Perfekt zum Einschlafen oder um die Absurdität des menschlichen Daseins und des Kapitalismus' zu erkennen.

 

Soweit zum konventionellen Teil. Weil das aber noch nicht reicht, rege ich hiermit an, die Leipzig-Souvenirs um eine wirklich gute Kategorie zu erweitern.

 

Kategorie 4: „Üüübelst geil, aldr!“ aka Absolute Unikate

Zweifelsohne suchen die IndividualtouristInnen von heute nach etwas ganz anderem. Das Traditionelle ist ihnen zu verstaubt, das Mehr-oder-minder-Kreative ist ihnen nicht indie genug und der Müll ist einfach viel zu mainstream.

Wer zu Hause also wirklich Eindruck schinden will, der bringt aus Leipzig eines der folgenden Dinge mit:

 

1. Ein blaues Auge und einen blutigen Jutebeutel, weil man es total witzig fand, in einer Kneipe in Connewitz schlecht Sächsisch nachzumachen.

2. Den Kopf der Wagner-Statue hinterm Alpenmax. Gibt es garantiert nur einmal und wir sind ihn dann auch endlich los.

3. Ein LVB-Ticket, das noch 1,30 Euro gekostet hat. Solche Preise glaubt einem in zehn Jahren niemand mehr.

4. Eine ordentliche Mitgliedschaft bei RB Leipzig. Beweist bei 800 Euro Mitgliedsbeitrag und 100 Euro Aufnahmegebühr immerhin, dass man es wirklich ernst meint mit dem Souvenirkauf.

5.Einen echten Leipziger Moscheegegner-Schweinekopf am Spieß. Echt selten zu bekommen, weil es sie immer nur dann gibt, wenn gerade wieder irgendwo eine Moschee gebaut werden soll, dafür aber 100% authentisch.

 

Was darüber hinaus immer geht, aber mindestens genau so schwer wie ein Schweinekopf aus Gohlis zu bekommen ist, ist das Kostüm des LVB-Bibers. Was ist eigentlich mit den großen blauen Biberfiguren passiert, die früher in der Hohen Straße und am Hauptbahnhof herumstanden? Einer wurde angezündet, aber der andere? Vielleicht steht er schon längst in einer japanischen Schrankwand und erinnert an einen wunderbaren Ausflug nach Leipzig.

Aber das wäre auch irgendwie schade.

 

Über den Autor:

Andrés liebste Leipzig-Devotionalie ist nach wie vor diese Postkarte, auch wenn er sie leider schon seit Jahren nirgendwo mehr zu kaufen gesehen hat.

Kommentare

Nutzerbild von SandraSandra kommentierte

genial :-D

Hier und da etwas spitz, aber meist doch sehr zutreffend! Meine Empfehlung für Souvenirjäger: einfach mal einen dieser herrlichen Aufkleber von den Laternen und anderen Oberflächen abknaupeln und zu Hause schön gerahmt in die Stube hängen ;-)

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