| Martin Meißner

Containern in Leipzig

Diese Woche wollen wir der Frage nachgehen, was mit den Lebensmitteln geschieht, die wir nicht kaufen. Zuerst schaue ich einfach mal in die Mülltonnen hinter den Supermärkten.

Das fängt ja gut an. Flink wie eine Katze ist meine Begleitung über den Zaun geklettert und kauert nun im Schatten. Ich stehe noch davor. Jeder Versuch das Hindernis zu überwinden, endet in seltsamen Verrenkungen. Mit jeder Minute, die ich vor dem Zaun verbringe, steigt das Risiko erwischt zu werden. Ich suche nach einem anderen Weg auf das Gelände und stelle fest, dass ich problemlos unter dem Tor hindurchkriechen kann. Noch mal Glück gehabt. Ich bin zwar unsportlich, aber wenigstens nicht zu dick. In der Tonne findet sich weniger als erhofft. Ein paar Bananen und etwas Gemüse. Die deutlich größere Tonne daneben ist mit einem Schloss gesichert. Zurück geht es per Räuberleiter.

Auf zur nächsten Station. Hier sitzt jemand in seinem Pkw. Wir entscheiden uns, später noch einmal vorbei zu schauen. Dazu wird es aber nicht kommen. Der nächste Markt auf unserer Tour überrascht mit einem Bewegungsmelder, sodass wir erst einmal weiter gehen. Nachdem das Licht wieder erloschen ist, schleichen wir uns zurück ohne ihn ein weiteres Mal zu aktivieren. Jackpot! Wir finden lauter abgepacktes Brot und alte Brötchen. Sogar eine Streuselschnecke ist dabei.

Während wir die nächste Tonne suchen, frage ich meine Begleitung nach der Motivation für das Containern. Es ist eine Mischung aus Geld sparen und politischem Protest, erfahre ich. Der Nervenkitzel bei der Beschaffung dürfte allerdings auch eine Rolle spielen. In der nächsten Tonne finden wir eine Mango und eine riesige Pomelo. Aber auch hier ist die größere Nachbartonne verschlossen.

Danach wartet schon wieder ein verschlossenes Tor auf uns. Diesmal schaffe ich es alleine herüber. Gelohnt hat sich das nicht. Die Tonne ist übervoll mit Rosenkohl. Von mir aus könnte Rosenkohl auch direkt vom Feld in die Tonne wandern. Plötzlich zieht mich meine Begleitung nach unten und macht “Pssst!”. Ein Spaziergänger kommt vorbei. Mir wird wieder bewusst, dass diese Aktion nicht ganz ohne Risiko ist.

Wir klappern noch ein paar neuere Supermärkte ab. Hier sind die Tonnen in riesigen Gitterkäfigen. Ein Herankommen ist unmöglich. Es scheint den Märkten wichtig zu sein, dass man nicht an ihren Müll kommt.

Am Ende unserer Tour haben wir zwei prall gefüllte Rucksäcke. Wirklich tolle Sachen, wie abgepackte Süßigkeiten, waren leider nicht dabei. So etwas wird wahrscheinlich in die verschlossenen Tonnen getan. Aber auch aus unserer Beute lässt sich etwas Leckeres zaubern.

Ich hatte die Idee, aus dem alten Brot Arme Ritter zu machen. Mit frischem Brot werden die nämlich leider nichts. Dazu einfach ein paar von den gefundenen Bananen, et voilà ein schmackhaftes Mittagessen, das so gar nicht an Müll erinnert. Nur die Bananen hätten ruhig noch ein bisschen Reifer sein können.

Obwohl unser Ausflug recht erfolgreich war, werde ich trotzdem nicht zum Containerer. Die Auswahl kann nicht überzeugen und man muss weite Wege zurücklegen. Vom Stress Faktor würde ich es aber unter einem Samstag Nachmittag im Kaufland einordnen. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich mir vorher ein bisschen Mut angetrunken habe.

 

Über den Autor:

Martin taten an dem Abend die Knie schrecklich weh. Er springt eben nicht täglich über Zäune.

Kommentare

Marcus Rö kommentierte auf Facebook

Wie wärs mit ner "Food not Bombs" Gruppe in Leipzig ;) http://www.foodnotbombs.net/

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Robbe Tauchnitz kommentierte auf Facebook

Soweit ich weiß ist das immernoch ein verbrechen. Du Kleiner rebell.

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Martin Meißner kommentierte auf Facebook

Auf diese Frage gehen wir am Nachmittag weiter ein.

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Angelika Kanitz kommentierte auf Facebook

Wenn Ihr das weiterhin publik macht, gibt es bald, wie in anderen Städten ein Schloss vor die Container und nen Zaun. Die guten Sachen holt die Tafel ab und die Studenten und Armen die nicht zur Tafel kommen, gehen vollkommen leer aus. Leider.

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Martin Meißner kommentierte auf Facebook

Die Schlösser und Zäune sind bereits sehr weit verbreitet, An uns kann es also nicht liegen.

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