Leipziger Buchmesse: Was sich lohnt und was es trotzdem gibt

Am Mittwoch beginnen die Leipziger Buchmesse und das zugehörige Lesefest „Leipzig liest“. Insgesamt 3000 AutorInnen werden bis Sonntag bei 3200 Veranstaltungen an 410 Orten der Stadt zu hören und zu sehen sein. Grund genug für André, mal ein paar Empfehlungen abzugeben, was man in all dem Trubel nicht verpassen sollte.

Als ich vor 75 Jahren nach Leipzig zog, da waren die LIPSIA-Rassegeflügelschau und das Wolle-Fest samt Stoff-Messe noch viel beliebter. Heute hat die Leipziger Buchmesse prestigemäßig ein wenig aufgeholt und zählt zu den bekanntesten Messen des ganzen Landes. 
Tausende Menschen werden auch in dieser Woche nach Leipzig strömen, nur um drei Dinge zu festzustellen: 1. Auf der Messe gibt es ja echt nur Bücher?! 2. Das Messegelände ist verdammt weit draußen. 3. Dieser überfüllte Shuttlebus bringt mich um. Hilfe, könnten Sie bitte ihre feuchte Achsel aus meinem Gesicht nehmen?!

Damit man bei 3200 Veranstaltungen irgendwie den Überblick behält, hat André mal zusammengestellt, was sich wirklich zu besuchen lohnt:

 

Mittwoch, 12. März 2014

Der inoffizielle erste Tag. Entstand vermutlich nur deshalb, weil die ganzen Messemenschen sowieso einen Tag früher anreisen und dann am Abend nicht allein im Hotel herumsitzen wollten.

Wenn man famous genug ist, darf man um 19 Uhr zur Feierlichen Eröffnung der Messe ins Gewandhaus gehen. Nur sollte man möglichst ausgeschlafen dort auftauchen, denn es könnte unter Umständen todsterbenslangweilig werden. Dann doch lieber gleichzeitig zum public listening in die Alte Handelsbörse. Dort gibt es das gute Buch „Der Fall Collini“ von Ferdinand von Schirach als Hörspiel. Alternativ könnte man um 20 Uhr zu „Burnout & Begegnungen“ ins Dietrich-Bonhoeffer-Haus nach Gohlis fahren. Hab ich aber vermutlich nicht genügend Kraft für. Außerdem gibt es um 20 Uhr im Conne Island Perspektiven und Ansätze der aktuellen Rassismus- und Kritischen Weißseinsforschung unter dem Titel „Sprache-Macht-Rassismus“. Aber ich kann sowieso nicht, denn ich muss zum Lesebühnen Schkeuditzer Kreuz und Stubenreim Crossover ins Plan B.

 

Donnerstag, 13. März 2014

Zwar gibt es täglich ab 9 Uhr schon Veranstaltungen, aber ich glaube, wer vor 14 Uhr irgendeine Veranstaltung besucht, der hat den letzten Abend nicht richtig ausgenutzt.

Wahrscheinlich wird es am diesem ersten Messetag total voll sein, daher sollte man es geruhsam angehen lassen und es sich zum Beispiel auf der Leseinsel der Jungen Verlage in Halle 5 bequem machen, vielleicht bei „Neues von den Berliner Lesebühnen“ mit Ahne und Spider. Danach könnte man zu einer der vielversprechenden Veranstaltungen namens „Fahrzeugspuren in Chemnitz“, „Lesen, Zaubern, Träumen“ oder „Kaffee trinken mit Uwe“ gehen. Oder man nutzt die herrschende Überfüllung einfach für sich, reiht sich in eine der vielen Menschenschlangen ein und lässt sich offenen Auges einmal quer durch alle Hallen schieben, um ein bisschen Übersicht zu erlangen.

Nach dem ersten erfolgreichen Nervenzusammenbruch sollte man dann auch wieder in die Stadt zurückfahren. Anschließend könnte man zur Langen Leipziger Lesenacht in die Moritzbastei gehen. Irgendwo liest auch Désirée Nick, aber das muss ja nicht sein. Ich glaube, ich gehe zu „Botschaften der Bienen“ um 20 Uhr im Mendelssohn-Haus oder meine es doch erst und gehe zu Wiglaf Droste ins Werk 2.

 

Freitag, 14.03.2014

Versuchen Sie bitte, sich niemals den Müll, der an allen Ständen verteilt wird, andrehen zu lassen. Niemand braucht riesengroße Papiertaschen oder achttausend Verlagsprogramme, auch wenn einem das auf der Messe alles total sinnvoll erscheint. Schützen Sie die Umwelt, sagen Sie einfach nein, denn Sie haben Wichtigeres zu tun.

Zum Beispiel gibt es ab 14 Uhr im Literaturcafé in Halle 4 „Lecker vom Blech – Süße und herzhafte Backverführungen für jede Jahreszeit“. Falls Sie nicht bereit sind, im Essensbereich 8 Euro für eine geplatzte Bockwurst zu zahlen, sollte Sie sich das nicht entgehen lassen. Falls der Kuchen wider Erwarten doch nicht schmecken sollte, werfen Sie ihn einfach beim ARD-TV-Forum in Halle 3 auf die Bühne, wo Thilo Sarrazin gerade sein neues Buch „Ich polarisiere, denn ich bin ein armer, verwirrter Mann und brauche das Geld“ präsentiert. Jetzt, da Sie etwas Gutes getan haben, dürfen Sie zu Belohnung wieder etwas vollkommen Sinnfreies tun. Wie wäre es mit „Messerwetzen im Team Shakespeare – historischer Englandkrimi mit Rezepten“ oder „Wolfsburg! Ein Liebesroman“? Nein, verschwenden Sie bitte keine IQ-Punkte und gehen Sie stattdessen um 16 Uhr zu Siegrid Löfflers „Die Neue Weltliteratur“ ins Berliner Zimmer in Halle 5.
Weil ich keine Eigenwerbung machen möchte, empfehle ich Ihnen nicht, ab 18 Uhr zu den tausend Veranstaltungen unter dem Sammeltitel Read-O-Rama ins Schauspielhaus zu kommen, wo es am Ende auch den riesigen Buchmessenslam geben wird. Stattdessen sollten Sie ab 20 Uhr ins theater.FACT in Barthels Hof gehen, wo die 27 besten Geschichten des MDR-Literaturwettbewerbs vorgelesen werden. Die Veranstaltung dauert schätzungsweise acht Tage lang.

 

Samstag, 15.03.2014

Sollten Sie die Party der Jungen Verlage am Freitagabend gut überstanden haben, dann ist der  Cosplay-Wettbewerb um 14 Uhr in Halle 1 Pflichtprogramm. Sie werden zwar genau so wenig wie ich verstehen, was dort vor sich geht, aber das muss man gesehen haben.

Falls Sie ein paar Mehr-oder-Weniger-Stars sehen wollen, dann gehen Sie ruhig immer mal beim Blauen Sofa in der Glashalle vorbei, zum Beispiel um 17 Uhr bei Jonathan Lethem. Hoffentlich verrät dem armen Mann niemand, dass einen Tag vorher Thilo Sarrazin an gleicher Stelle herumekeln durfte. Oder besuchen Sie ihn einfach um 21 Uhr in der naTo, wenn er aus „Der Garten der Dissidenten“ vorliest. So können Sie immerhin beim Sleep Well Slam am ARTE-Stand direkt nebenan vorbeischauen, der sich wirklich jeden Tag lohnt.

Ich als alter Fanboy werde vermutlich trotzdem bei Clemens Meyer um 20 Uhr im Kesselhaus in Schleußig landen. Und danach müsste man eigentlich unbedingt um 21.45 Uhr zu Denis Schecks „Leipziger Buchnacht“ in den Bayrischen Bahnhof.

 

Sonntag, 16.03.2014

Na, sind Sie auch so müde? Halten Sie durch, Sie haben es fast geschafft. Kathrin Bauerfeind um 15 Uhr im ARD-TV-Forum in Halle 3 lohnt sich bestimmt. Hauptsache niemand sagt ihr, dass Thilo Sarrazin ein paar Tage vorher auch schon dort war.

Um 16 Uhr könnte man sich ruhig mal Dorothee Elmiger im Schweizer Forum in der Glashalle anhören. Ich kenne nur ihren Text vom Bachmannpreis, aber der war gut.

Falls es wider Erwarten doch enttäuschend wird, kann man ja immer nochmal zu „Lesen, Zaubern, Träumen“ oder zu „Origami für fortgeschrittene Faltkünstler“ gehen. Aber ich merke schon, dass es Ihnen langsam aber sicher auch reicht. Zum krönenden Abschluss jedenfalls sollte man unbedingt um 19.30 Uhr in Schauspielhaus gehen und „Die Physiker“ anschauen, ein Gastspiel des Schauspielhauses Zürich. Immerhin hat dann wenigstens einmal so richtig dem Gastland der Buchmesse Genüge getan.

Danach dürfen sie drei Wochen durchschlafen.

Alles andere wäre auch irgendwie schade.

 

Über den Autor:

Letztes Jahr waren insgesamt 168.000 Besucher auf der Leipziger Buchmesse. Das sind 167.991 mehr, als André gerade noch gemütlich findet.

Kommentare

Nutzerbild von Detlef M. PlaisierDetlef M. Plaisier kommentierte

Ich werde ....

... nicht eine dieser empfohlenen Veranstaltungen besuchen. Habe da wohl andere Interessen, nachzulesen hier: http://leipzigdiscovery.com/2014/03/07/leipziger-buchmesse-2014-da-gehe-ich-hin/ Und ja, Sarrazin ist Pflichtprogramm. Man sollte ihn hören, wenn man über ihn redet. Und ja, es gibt schon morgens attraktive Veranstaltungen, zum Beispiel den morgendlichen Weckruf am Schweizer Forum um 09:30 in der Glashalle. Na dann: Viel Spaß - ich freu mich drauf!

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Angelika Kell kommentierte

Bücher, Bücher, nichts als Bücher

Ich werde da sein. Danke für die Warnung vor dem Bus, die Bahn tut's ja auch. Wer am Donnerstag 13 Uhr auf der Messe ist, kann auch den Buchkindern lauschen. Erstklässler lesen aus ihren Werken. Meins auch. Abgesehen von der Lesung der Unabhängigen Verlage werbe ich für eine meiner Lieblingsautorinnen: Kathrin Schmidt, die umrahmt von den Herren Droste und Meyer "Vom leisen Fieber des Schatzgräbers" parlieren wird, Haus des Buches - Freitag 19 Uhr.

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Kerstin Körner kommentierte auf Facebook

Ja,freue mich. Auch auf Günther Wallraff und Andreas Altmann und die Balkan-Nacht mit Ska-Reggae-Punk im UT Connewitz......

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