Parkplatznot in Leipzig - Warum wird nur in Schleußig gehandelt?

Unsere neue Baubürgermeisterin trat mit einem Paukenschlag in Aktion. Die Straßen in Schleußig wurden massiv umgestaltet, um der Wildparkerei Herr zu werden. Warum kümmert man sich eigentlich nicht um die anderen Viertel? Schleußig ist schließlich nicht der einzige Stadtteil mit Parkplatznot.

 

Ute Elisabeth Gabelmann, Piraten

Ein einfaches Rechenbeispiel: in unserem Eckhaus wohnen zwölf Mietparteien. Wenn jeder Haushalt auch nur ein Auto hätte, würden die durch unser Haus markierten Straßenmeter nicht ausreichen, um ausreichend Parkplatz zur Verfügung zu stellen. Was bleibt also alternativ?

a) Tiefgarage. Wenn das jeder Hauseigentümer täte, wäre Leipzig in kurzer Zeit vollunterkellert und vom letzten Jenga-Spieleabend weiß man ja, was passiert, wenn man untendrunter immer was wegnimmt. (Den Verweis aufs Kölner Stadtarchiv muß man ja nicht erst bemühen.)

b) Flächen innerhalb der Stadt zu Parkplätzen umwidmen. Na danke. Als wären wir noch nicht genug zubetoniert. In Zeiten, wo sogar Stadtparks nicht mehr aus Wiesen und Bäumen, sondern Betonplatten und Blumenkübeln bestehen (und damit das Wort 'Park' völlig ad absurdum führen), kann das ja hoffentlich keine ernsthaft erwogene Alternative sein.

c) Parkhäuser. An früherer Stelle hatte unsere heimelige Weltnest-Gruppe gerade diskutiert, daß es nicht genügend Wohnraum für Geringverdiener gibt. Da überlege ich, welches Brett vorm Kopf man haben müsste, um vorzuschlagen, Freiflächen (wenn sie schon zugebaut werden sollen), mit Parkhäusern statt Wohnungen zu bestücken.

d) Park'n'Ride. Da sind wir nahe bei der Lösung, die heute schon möglich wäre: größtenteils öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Leipzig ist eine durch den Nahverkehr sehr gut erschlossene Stadt. Diese Möglichkeiten müssen ausgebaut werden, statt den Individualverkehr durch die Einrichtung von Parkplätzen noch zu fördern. Wir ersticken in Verkehr. (Wer anderes behauptet, dem empfehle ich, gegen 15:30 Uhr mal mit der Linie 131 zu Ikea zu fahren.) Die Anreize, vom eigenen Auto endlich auf Teilautos, Fahrräder, Straßenbahnen und Busse umzusteigen, sind offenbar noch nicht da. Gestehen wir uns endlich ein: es ist gar nicht mehr möglich, sich um Parkplätze zu kümmern - egal ob in Schleußig oder anderswo.

 

René Hobusch, FDP

Liebes Weltnest, schon vergessen? Kaum in Leipzig, kam unsere Baubürgermeisterin auf die Idee, rund 50.000 Leipzigern zu empfehlen, doch aus Leipzig nach Eilenburg oder sonst wo hin zu ziehen, um der Parkplatznot zu entgehen. Das war doch der große Paukenschlag, mit dem sich die von den Grünen ins Amt gehobene Dorothee Dubrau den Leipzigern im vergangenen Sommer bekannt machte.

Die Änderungen in der Verkehrsorganisiation in Schleußig sind nur die Umsetzung eines Konzeptes, das ohne die Bürger vor Ort in staubtrockenen Amtsstuben zuvor schon von der Verwaltung ausgetüftelt worden war. Es ist eine Basta-Politik und Schikane der Schleußiger obendrein, keine Lösungen anzubieten und statt dessen wieder auf Abzocke zu setzen!

Und du hast Recht, liebes Weltnest, Schleußig ist kein Einzelfall. Aber es gärt und brodelt dort schon lange. Die Schleußiger haben ihr Problem vor der Haustür bisher stärker artikuliert, als in anderen Stadtteilen. Und die Parkplatznot in Schleußig ist auch eine besondere: Viele junge, engagierte Familien, der eine Teil der Familie arbeitet hier, der andere dort, die Kita gibts vielleicht im Norden, wenn überhaupt (!) und so bleibt das Auto aus ganz praktischen Gründen bei vielen eben das probate Verkehrsmittel. Ganz unideologisch, aus der Not des Alltags heraus.

Aber weil das Parken nicht nur in Schleußig, sondern in ganz Leipzig zunehmend ein Problem ist, wollten wir mit einem Modellprojekt in Schleußig beginnen, mit den Menschen vor Ort in den Dialog zu treten und nach Lösungen zu suchen, die vielleicht auch für ganz Leipzig tauglich sind. So stellen wir uns Bürgerbeteiligung vor, am konkreten Problem, vor Ort gemeinsam nach Lösungen ringen und am Ende vielleicht sogar zum Nutzen der ganzen Stadt generalisieren. Aber, bis jetzt haben wir dafür keine Unterstützung bekommen. Weder von den anderen Fraktionen im Stadtrat, noch von der Verwaltung. Mein Eindruck ist eher, gerade die Verwaltung sitzt das Problem aus. Ganz nach Wilhelm II., dem der Ausspruch zugeschrieben wird "Das Pferd wird es immer geben, Automobile hingegen sind lediglich eine vorübergehende Modeerscheinung." Ich bin gespannt, wie lange sich die Leipzigerinnen und Leipziger in den übrigen Gründerzeitvierteln noch hinhalten lassen...

 

Jürgen Kasek, Grüne

Ich gehe davon aus, dass die Stadtverwaltung sich noch um die anderen Viertel kümmern wird, mit der Zielsetzung einer echten Verkehrswende hin zu den Verkehrsarten des Umweltverbundes (was sie mehrfach auch beschlossen hat).

Der Druck war in Schleußig am Größten und die Diskussion wurde bereits 2009 sehr intensiv geführt. In Schleußig kamen (Zahlen 2013, Amt für Statistik und Wahlen; http://statistik.leipzig.de/) 319 Autos auf 1000 Bewohner. Höher ist die Zahl nur in Gohlis Süd (347 auf 1000), das aber mehr durch Villen charakterisiert ist und seit der Eröffnung des Godwanalandes auch Anwohnerparken hat. Ähnliche Probleme deuten sich für das Waldstraßenviertel (314 auf 1000) an, weshalb wir gerade auch im Zuge von zunehmenden Singulärveranstaltungen auf ein schlüssiges Verkehrskonzept drängen. Ich bin zuversichtlich, dass dieses Jahr noch was passiert.

Und man muss anerkennen, dass Frau Dubrau zu Beginn ihrer Amtszeit ein Problem angegangen ist, das die Verwaltung trotz vielfacher Forderungen aus dem Stadtbezirksbeirat immer wieder vor sich hergeschoben hat. Jahrelang hat die Stadtverwaltung sehenden Auges dadurch gefahrenträchtige Situationen durch Gehwegparker heraufbeschworen. Die insbesondere von der FDP inszenierte Aufregung ist vor allen Dingen eines: unehrlich und reiner Populismus. Denn das angemahnte Gesprächsforum mit mehr als 200 TeilnehmerInnnen hat die Grüne Fraktion zusammen mit dem Verein Pro Parken Schleußig umgesetzt.

Das Problem in Leipzig ist, dass die Stadt einfach nicht für die Massen an Autos gebaut wurde. Der Platz reicht in der historischen Baustruktur einfach nicht aus, damit jeder Mensch vor seiner Haustür parken kann. Die Lösung liegt auch nicht darin, dass wir die Stadt autogerecht umbauen, wie das die schwarzgelben Apologeten so gern fordern, sondern dass wir die Verkehrsarten des Umweltverbundes fördern und stadtweit die Parkraumbewirtschaftung, mit dem Vorrang des Anwohnerparkens, einführen. Und man muss immer wieder sagen: Förderung des Car Sharing. Ein Car Sharing Auto substituiert 10 private KfZ. Ziel ist der stadtgerechte Verkehr.

 

Juliane Nagel, Linkspartei

Ich weiß nicht, wo es im Stadtgebiet noch Probleme mit dem Parken gibt. Und so richtig will ich mich für diese Problematik auch nicht erwärmen. Sicher war die Situation in Schleußig besonders akut, wegen der dichten Bebauung und weil in der "grünen Hochburg" scheinbar sehr viele Autos existieren.  Letztendlich wurden in Schleußig vor allem auch allgemeingültige Verkehrsregeln durchgesetzt, siehe Gehwegparkverbot.
Ansonsten kann ich nur auf unser Diskussion von vor fünf Wochen verweisen. Leipzig braucht einen verkehrspolitischen Paradigmenwechsel, weg von einer autogerechten Stadt hin zu einer, in der ÖPNV und Fahrradfahren als Fortbewegungsmittel im Vordergrund stehen. Es liegt doch in den Händen und der Vernunft der Menschen selbst und an einer Politik, die Rahmenbedingungen schafft. Es braucht viel mehr Anreize, das Auto stehen zu lassen. Einen günstigen oder fahrscheinfreien Öffentlichen Personennahverkehr. Attraktive und sichere Wegeverbindungen fürs Fahrrad. Oder die Bereitschaft sich Autos zu teilen, statt sie individuell zu besitzen.

In diesem Fall liegt der Ball bei der Politik (und übrigens auch autoaffinen Wirtschaft) und bei jedem und jeder selbst das Parkplatzproblem radikal zu lösen.

 

Markus Walther, CDU

In der Tat gibt es in ganz Leipzig große Verkehrsprobleme. Aber die Parkplatznot ist natürlich im Südwesten, ganz besonders Schleußig, am größten. Da gibt es Faktoren, die politisch wenig zu beeinflussen sind, wenn man nicht ins Politikverständnis von vor 1989 zurückfallen will: Die Bevölkerungsstruktur in Schleußig wandelt sich stark, und das Auto ist nach wie vor - und bei vielen Menschen noch stärker als früher - Ausdruck persönlicher Freiheit. Davon abgesehen scheint die Stadtverwaltung beim Thema Verkehrsplanung völlig ambitions- und konzeptlos zu sein. Wenn die Stadt - marktwirtschaftlich gesprochen - Angebot und Nachfrage bei den Parkplätzen wieder in eine ungefähre Deckung bringen will, dann muss sie eben attraktive Alternativen zum Pkw-Verkehr forcieren, und zwar sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr. Die (stadteigenen) Verkehrsbetriebe scheinen aus ihren Fehlern nichts zu lernen und haben noch immer keine überzeugende Instandhaltungsstrategie; der Karli-Umbau hat das Potential für ein mediales und wirtschaftliches Desaster. Manche Arbeitswege sind monatelang von Baustellen da und dort geplagt. Das Thema Busbahnhof hat die Stadt völlig verschlafen - hier hat die Junge Union schon vor Jahren Chance und Herausforderung erkannt. Und auch die langfristig gesicherte gute Bahnanbindung Leipzigs ist ein Faktor für die Frage: Schaff ich mir ein Auto an, oder nicht?

 

Tino Bucksch, SPD

Das mag der Eindruck sein, aber der ist falsch. Natürlich wird sich um die anderen Viertel und Probleme gekümmert, nur still und leise. Das Beispiel Schleußig zeigt aber auch eine negative Seite von Demokratie. Wer am lautesten schreit und wer dazu auch noch die materiell-gesellschaftlichen Voraussetzungen hat, sich zu artikulieren, wird am ehesten gehört. So auch beim Parkplatzproblem. Anwohnerparken oder Parkraumbewirtschaftung sind dabei Instrumente, diesem entgegen zu treten. Dort wo es Parkraum gibt, werden die Leute diesen auch nutzen. Das hat ja auch Schleußig gezeigt. Nachdem das Gehwegparken verboten war, verschwanden Autos in Größenordnung. Wichtig ist es, zu verhindern, dass diese nicht auf angrenzende Stadtteile ausweichen, denn dann wird das Problem nur verlagert. Neben den genannten Instrumenten muss einfach der ÖPNV attraktiver werden, so dass es sich für die Menschen nicht lohnt, ein Auto anzuschaffen. Auch die Infrastruktur und Versorgung im Stadtteil ist ein wichtiger Punkt. Wenn ich nicht zwei Kilometer bis zum nächsten Supermarkt brauche, sondern diesen bei mir um die Ecke habe, dann ist die Notwendigkeit, ein Auto zu besitzen, geringer.

Also das eine sind schon vorhandene Maßnahmen intensiver einzusetzen und das andere ist eine eher demokratietheoretische Frage.

 

Über den Autor:

Martin hat kein eigenes Auto. Wenn er sich eines ausleiht, hat er große Probleme einen Parkplatz in der Nähe zu finden. Aber noch schlimmer sind die nörgelnden Nachbarn, wenn man für drei Minuten entladen will und dabei die Straße blockiert.

Kommentare

Nutzerbild von PaulePaule kommentierte

Liebes Sparkassendirektorchen ...

oder was der Langweiler mit seinem immer gleichen "Liebes Weltnest"-Geheuchel auch immer von Beruf ist. Wenn es sein Niveau ist, hier die BILD-Zeitung zu referenzieren, um uns die Wahrheit über Frau Dubrau zu erzählen, ist er wahrscheinlich eher Makler oder so ... <nachgoogle> ... ups, Volltreffer! Schon mal auf die Idee gekommen, dass die Eilenburg-Äußerung eine beabsichtigte Provokation gewesen sein könnte, um den Auto-Micheln vor Augen zu halten, was sie am Wohnort Leipzig haben und man eben auch mit den Nachteilen der Stadt leben muss, und nicht immer ihre egoistischen Pool-Position-Fantasien ausleben können. Zusammenleben in einer Großstadt ist eben mit FDP-Ideologie schwierig. Da bietet sich Eilenburg durchaus als Alternative!

006 000
 
Angemeldet als anonymer Benutzer.

Nutzerbild von Daniel BaezolDaniel Baezol kommentierte

Es geht auch ohne

Seid 7 Jahren bin ich mit meiner Lebenspartnerin ohne Auto glücklich und auch Freunde haben sich vor kurzem gegen das Auto entschieden. Wenn man wirklich mal eines benötigt kann man sich eines mieten. In Leipzig kommt man wunderbar, teils sogar besser, ohne Auto vorwärts. Nicht umsonst ist Leipzig als Stadt der kurzen Wege bekannt. Übrigens: Oben genannt Freunde haben sogar 2 Kinder.

004 001
 
Angemeldet als anonymer Benutzer.

Nutzerbild von kommentierte

Oha

Das bitte, erklären Sie mal den Berufstätigen, welche wie ich zur Arbeit nach Zwenkau fahren müssen. Mit Bus und zu Fuß über eine Stunde einen Arbeitsweg. Mit dem Auto 10 min. Meine Partnerin hat sich jetzt ein Auto gekauft, weil sie über eine Stunde Straßenbahnfahrt ins St. Georg zu Arbeit hat. Mit dem Auto 20 min. Im Winter ist das Auto, man glaubt es kaum, sogar warm. Wie ist es mit dem Einkauf Deiner Freunde mit den zwei Kindern? Im Bioladen nebenan? Oder viermal eine Tour zum Wochenendeinkauf zu Globus? Gewiss nicht... Dann wünsche ich Euch weiterhin viel Freude beim glücklichen Nutzen der unzuverlässigen LVB oder des Rades im Winter bei Eis und Schnee.... Neeee....

003 000
 
Angemeldet als anonymer Benutzer.

Nutzerbild von ConnewitzerConnewitzer kommentierte

Lieber Herr Walther,

ein eigenes Auto soll Ausdruck persönlicher Freiheit sein? Im Stau stehen oder 'nen Parkplatz suchen macht mich frei? Einen Teil meiner Lebenszeit darauf verwenden, Geld zu verdienen damit ich Benzin, Reperaturen etc. bezahlen kann macht mich frei? Hahahahaha ... danke für diesen herrlichen Witz!!! :-)))))

003 000
 
Angemeldet als anonymer Benutzer.

Thomas Köhler kommentierte

Liebe Politiker und die die ihr es werden wollt,

zuerst ein bedenkenswerter Satz von Tino Buksch "Nachdem das Gehwegparken verboten war, verschwanden Autos in Größenordnung..." den ich ergänzen möchte "... in die angrenzenden Stadtgebiete." Oder gibt es belastbare Zahlen über abgemeldete Autos? Das Parkkonzept in Schleußig ist ja per se nichts außergewöhnliches, auch wenn es so kommuniziert wird - es ist eine strikte Durchsetzung der entsprechenden Gesetze. Ich sage nur "Gehwegparken", Parken in Kreuzungs- und Einmündungsbereichen und anderes sind eindeutig geregelt. Jetzt werden sie in Schleußig durchgesetzt. Also nichts revolutionäres sondern "law and order". Erfreulich ist natürlich, dass nun scheinbar alle im Stadtrat vertretenen Parteien bemerkt haben, dass der ÖPNV eine wichtige Rolle spielt. Warum merkt man nur so wenig davon? Wahrscheinlich weil es Geld kostet. Ach ja Geld, woher kommt das? Leipzig hängt am Tropf der Automobilindustrie und der angeschlossenen Wirtschaftszweige, falls ihr das vergessen habt. Da gehört politischer und gesellschaftlicher Wille zu einer Änderung. Den aufzubringen ist schwerer als schöne Worte.

000 000
 
Angemeldet als anonymer Benutzer.

Nutzerbild von jkasekjkasek kommentierte

Auto und Zukunft

Zunächst mal grundsätzlich: Gem. § 12 StVO ist das Parken auf Fußwegen grundsätzlich nicht erlaubt kann aber zugelassen werden, was es in Schleußig nicht war. Dass es eine Diskussion darüber gibt, ob die Stadt Recht und Gesetz umsetzen muss, nämlich Kontrolle, dass Fußwege dem Schutz der Fußgänger dienen, zeigt die ganzen Irrwege der Debatte. Eine Debatte die es seit Jahren gibt inklusive Studien der HTWK unzähligen Diskussionsabenden und weiteren. Die Forderung der FDP ein Dialogforum zu installieren vernebelt, dass es die Debatte seit Jahren gibt und suggeriert dass es Optionen gäbe. Gemeingefährlicher Unsinn. Dass in Leipzig mehr als 40 % der Menschen kein Auto haben, weil sie es nicht brauchen und die größte Lobby in Leipzig, die Lobby der Fußgänger ist, die von der Politik gern übersehen wird ist ein weiterer Punkt. Wie Markus Walther dazu kommt festzustellen, dass das Auto stärker als früher ein Zeichen für persönliche Freiheit sei, erschließt sich mir nicht und klingt wie ein Anachronismus. Untersuchen belegen deutlich, dass gerade in urbanen Großräumen, eher das Fahrrad als neues Statussymbol betrachtet wird und Angebote wie Car Sharing zunehmend an Bedeutung gewinnen. Allein die Politik, zumal in Sachsen, reagiert nicht darauf. Statt etwa in der Bauordnung dafür Sorge zu tragen, dass die Schaffung von Stellplätzen allein Sache des Bauherren sein soll und dieser entscheidet, ob und wieviele er braucht wird nachwievor festgeschrieben, dass überall Parkplätze anzulegen sind mit der Folge des induzierten Verkehrs. Alle anderen Bundesländer haben die Bauordnung in diesem Punkt novelliert um etwa den Kommunen größere Handlungsspielräume einzuräumen und autofreie Quartiere (analog Quartier Vauban Freiburg) zu ermöglichen. Sachsen steuert dem entgegen und hat die Stellplatzpflicht für Fahrräder (!) zum Teil abgeschafft. So sieht es aus. Und diese unehrliche Debatte regt mich auf. Es geht nicht darum Autos auszusperren was abermals die FDP so gern suggeriert sondern darum den begrenzten Platz im öffentlichen Raum so zu gestalten, dass alle Verkehrsteilnehmer gleiche Rechte haben. Aber dann müsste man vom Dogma des Vorrang des Autos, Diktion aus der Reichsgaragenordnung um die umfassende Mobilisierung der Bevölkerung zu dienen, endlich überwinden. Aber solange wie die Betonkopffraktion weiter mauert und notwendige Gelder statt in den Erhalt der bisherigen Infastruktur lieber in neue Straßen pumpt und weiterhin vor allen Dingen aufs Auto gesetzt wird, kann nichts passieren. Ich konstatiere die FDP/ CDU hängen der Diskussion im Verkehrsbereich um etwa 50 Jahre zurück. Aufgrund dessen sollte man Ihnen eine längere Denkpause geben.

001 001
 
Angemeldet als anonymer Benutzer.

Nutzerbild von Oliver DorauschOliver Dorausch kommentierte

Gemeingefährlicher Unsinn

Warum ist ein Dialogforum gemeingefährlicher Unsinn? Ist dann das Dialogforum Flughafen auch gemeingefährlicher Unsinn? Schließlich arbeitet der Airport auf Basis einer Betriebsgenehmigung und die Gerichte haben den Bestand des Planfeststellungsbeschlusses ebenso letztinstanzlich bestätigt... Fakt ist doch: Es gibt die Diskussion in Schleußig seit langer Zeit, aber es gibt keine Ergebnisse. Um die Situation im Viertel zu lösen, braucht es die Erkenntnis, dass es um Einschränkungen geht - und zwar für alle. Es wird keinen Sieger geben. Ausgehend von den Maximalforderungen (Parkplätze für alle vs. Weg mit den Autos) wird es nur Verlierer geben. Wenn aber irgendwann das Gefühl haben, dass alle Seiten gleichermaßen verzichten, kann so ein ergebnisorientierter Dialog doch zu einem Erfolg werden. Das braucht Zeit und viele kleine Schritte. Das braucht die Beteiligung der Anwohner und nicht nur von organisierten Interessensvertretern. Gemeingefährlich finde ich eher die Darstellung, dass ein für möglichst viele an Lösungen arbeitendes Forum gemeingefährlich sein soll. Das ist Unsinn, liebe(r) jkasek.

001 001
 
Angemeldet als anonymer Benutzer.

Nutzerbild von Volker HolzendorfVolker Holzendorf kommentierte

Dämlichkeit wird durch wiederholung nicht besser

Wer die Situation in Schleußig seit 2002 mitverfolgt hat, weiß wie oft und wie ausführlich diskutiert wurde. Es gar immer wieder Dialogforen, es gab Workshops, sogar wissenschaftliche Untersuchungen. Und oh Wunder: alle mit ein und dem selben Ergebnis: Autos haben auf dem Gehweg nichts, aber auch gar nichts verloren! Das wurde von der Stadt nach 12 Jahren "Dialogforum" endlich umgesetzt. Es bewegt sich doch was im Rathaus, auch wenn man es oft nicht glaubt! Und deswegen ist es natürlich "gemeingefährlicher Unsinn" etwas zu fordern, was schon stattfand. Dies zeigt nur die Unwissenheit dieser Herren aus einer Partei, die kommischerweise immer so wichtig genommen wird.

001 000
 
Angemeldet als anonymer Benutzer.

Daniel Böttner kommentierte auf Facebook

René Hobusch zeigt in dem kurzen Interview symptomatisch warum es mir als eigentlich liberal affinen Wähler kaum möglich ist noch FDP zu wählen. Normalerweise verwehre ich mich gegen typisches gemecker auf Politiker und spezifisch (seit einiger Zeit im Trend) auf die FDP. Das war viele Jahre lang eher Populismus statt Wahrheit. Aber was Herr Hobusch wie auch mittlerweile andere FDP Vertreter von sich geben ist einfach nicht mehr annehmbar. Sein Interview bestand nicht im Hauptteil darin Lösungsvorschläge zu offerieren sondern auf andere zu Meckern.

000 000
 
Angemeldet als anonymer Benutzer.

Nutzerbild von FMFM kommentierte

Warum?

Das verstehe ich nicht, wieso herrscht eigentlich in diesem jungen, superhippen, grünen, kreativen Schleußig „Parkplatznot“? Wohnen denn da nicht extrem viele der überzeugten Carsharer, Radfahrer und sonstige PKW-Abstinenzler? Irgendwas kann da wohl bei mir nicht ganz angekommen sein. Und ist es nicht auch in Schleußig, wo jeden Morgen Heldenmuttis in ihren (vermutlich solarbetriebenen?) SUV ihre Kinder bis an den Lehrertisch fahren müssen, aber schon mit dem Abbiegen in den Schulhof überfordert sind und damit den Verkehr auf der Könneritzstraße zuverlässig kollabieren lassen – für alle Teilnehmer? Zudem finde ich auch diese Debatte (wie so viele) ebenso verlogen wie ideologiebelastet und deswegen auch nicht tatsächlich zielführend. Um es klar zu sagen: die StVO im Wesentlichen durchzusetzen, halte ich für völlig normal. Ebenso normal finde ich es, dass ich mir ein Lebensumfeld aussuche, dass meinen Bedürfnissen (und finanziellen Möglichkeiten) entspricht. Also ist es doch an mir, mich um Wohnraum mit Parkflächen zu kümmern, wenn ich welche haben möchte (oder haben zu müssen glaube). Und wieso eigentlich „alle“ glauben, parken dürfe nichts kosten, erschließt sich mir auch nicht. Aber ebenso wenig ist von ausgesprochenen Auto-Vergrämungs-Maßnahmen zu halten, wie sie in dieser Stadt reichlich vorkommen. Das erinnert mich schon wieder stark an Zeiten, die die meisten Weltnest-Autoren wohl nur vom Hörensagen kennen. Im Übrigen bekenne ich mich durchaus dazu, Auto zu fahren (und auch ein eigenes zu besitzen) – nicht als Statussymbol, wozu es auch gar nicht taugt, sondern als äußerst zweckmäßigen Gegenstand und ein Stück persönlichen Luxus’. Jedenfalls rülpst mir kein bierflaschenschwingender Zeitgenosse vom Platz hinter mir in die Ohren, wie das im ÖPNV neuerdings die Regel zu sein scheint. Und falls die Sitze dreckig sind, war’s im Zweifel auch meine Schuld. Zudem habe ich den Zustieg vor der Haustür – und meinen Parkplatz schon bezahlt. Die Freiheit dieser (zugegeben teuren) Entscheidung habe ich mir genommen. Übrigens: auch mein Fahrrad taugt nicht als Statussymbol und ist noch älter als mein Auto - fährt aber ganz gut ;-)

000 000
 
Angemeldet als anonymer Benutzer.

Eine neue Diskussion starten

Angemeldet als anonymer Benutzer.