Am Tag Nach der Wahl in Leipzig: Ein einziges Hände- und Kopfschütteln

Leipzig hat gewählt! Gleich doppelt durfte man sich  am gestrigen Sonntag entscheiden - einmal für den Stadtrat und einmal für das Europäische Parlament. Wie aufregend ist so ein Wahltag und was kam eigentlich am Ende dabei heraus?

Als ich vor 75 Jahren nach Leipzig zog, da betraf es mich noch nicht wirklich. Politik existierte für mich allein im Sportunterricht, wo man beim Zusammenstellen der Fußballmannschaft möglichst klug agieren musste, um niemanden zu verprellen.
Vor genau zehn Jahren dann war es zum ersten Mal wirklich so weit. Zur Europawahl 2004 war ich der erste Besucher des Wahllokals. Das mag vorbildlich klingen, aber da ich mich nicht erinnere, warum es so wahr, könnte es auch daran gelegen haben, dass ich gerade erste auf dem Heimweg war, als die netten Damen die Urnen in Aufstellung brachten.

Heute bin ich so routiniert, dass ich dem Wahltag zwar interessiert, aber relativ entspannt entgegen blicke. Wobei es nicht nur in Europa, sondern auch im beschaulichen Leipzig an diesem Sonntag um Einiges ging. EinProtokoll.

 

 

13:30 Uhr: Ich fahre durch Pirna und sehe ein wunderbares FDP-Wahlplakat. Auf diesem steht: „Zebrastreifen hierher!“ – Ich befürchte, dass man mit diesen weltbewegenden Themen am heutigen Abend ein neues Rekordergebnis einfahren wird. Nur, dass es eben kein positiver Rekord sein wird.

14:30 Uhr: Von mir aus könnte mein Zug in Richtung Leipzig ruhig ein paar Stunden Verspätung haben, denn immerhin habe ich längst per Briefwahl gewählt. Wie schon so oft, habe ich mich für die richtige Partei entschieden. Briefwahl ist klasse. Zumindest bewahrt sie einen davor, am Sonntag in irgendeine schreckliche Schule gehen zu müssen und dort längst verdrängt Abitur-Alptraumszenarien zu neuem Leben zu erwecken.

16:00 Uhr: In meiner Straße hängen die Wahlplakate auf Halbmast. Ich ahne Fürchterliches. Im Park liegen dutzende Halbnackte und lesen Magazine, die zu 90% aus Bildern von Prominenten bestehen. Die Halbnackten sehen nicht aus, als wären sie heute schon wählen gewesen oder als ob sie wüssten, was Briefwahl ist. Vielleicht auch besser so.

17:00 Uhr: Ich bin kurz eingenickt. Mein Promi-Magazin war wohl einfach zu interessant. Bis die Wahllokale geschlossen haben, passiert nicht so viel Spannendes. Als plötzlich doch noch der verantwortungsbewusste Politikwissenschaftler in mir erwacht, beschließe ich, ein paar „Warst du wählen?“-Kontrollanrufe in meinem Bekanntenkreis zu machen.

19:00 Uhr: Langsam tröpfeln die Ergebnisse ein. Der erste Schock kommt aus Frankreich: Bei der Europawahl siegt die rechte Front National. Deren Vorsitzende möchte nach eigener Aussage nur ins Europäische Parlament, um die EU kaputt zu machen. Später wird der Rechtsruck in der EU auch im Wahlergebnis zeigen. Anscheinend haben leider nicht alle, so wie ich, das Richtige gewählt.

20:00 Uhr: Die interaktive Leipzig-Karte färbt sich Stück für Stück schwarz-violett. Doch vielmehr Sorgen bereitet mit der kleine hellblaue Balken der AfD. Momentan steht er sogar bei zehn. Und ich hatte gehofft, zehn wäre ausschließlich der Euro-Preis für ein Glas Champagner bei der AfD-Wahlparty.

22:00 Uhr: Das Europäische Parlament verkündet den seit 1979 ersten Anstieg der Wahlbeteiligung bei der Europawahl. Dieser beträgt sage und schreibe 0,11%. In Dänemark und Großbritannien haben die Europaskeptiker die Wahlen gewonnen. In Leipzig kratzt die AfD an der Zweistelligkeit. Mein spontaner Lieblingstweet lautet: „Damals. Als alle dachten, Conchita Wurst wäre ein Zeichen für mehr Toleranz in Europa.“ (@GretaTrouble)

00:00 Uhr: Und nun hat auch Leipzig sich einen neuen Stadtrat gegönnt. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es hätte sich nicht viel verändert. Größeres Korkenknallen höre ich jedenfalls nicht aus Richtung Rathaus. Wahrscheinlich, weil Hände- und Kopfschütteln praktisch lautlos sind.
Den hellblauen 6% möchte ich gratulieren. Sie haben es geschafft, mit Thesen wie „Der Klimawandel ist wissenschaftlich gar nicht bewiesen“ oder „Womöglich wachsen Stein- und Braunkohle ja relativ schnell nach“ (siehe Spitzenkandidatin Frauke Petry) tatsächlich Menschen dazu zu bewegen, für sie zu stimmen.
Natürlich, es hätte schöner ausgehen können. Aber im deutschlandweiten Vergleichschneidet Leipzig für meine Begriffe noch ziemlich gut ab. Und ich bin sicher, dass man die paar Verrückten, die man in Zukunft neben in den Sitzreihen haben wird, irgendwie eindämmen kann.

 

Jetzt ist Montag.
In den meisten der Parteibüros wird es heute ein großes Schulterklopfen geben. Außer vielleicht bei der FDP, denn da wird man jede Hand brauchen, um Umzugskisten zu packen. Womöglich schon heute Nachmittag, vielleicht aber auch erst in den nächsten Tagen, werden auch all die vielen Wahlplakate wieder abgenommen und in den Lagern der Parteien verstaut. Nur bei AfD und NPD wird man sich diesen Aufwand vermutlich sparen können, denn dieser wurde bereits von hilfsbereiten BürgerInnen übernommen, die weniger EU-skeptisch sind.

Und das ist zwar verboten, aber eigentlich gar nicht so schade.

 

Über den Autor:

André ist noch immer zwiegespalten, wie er die Ergebnisse der Wahlen finden soll. Fest steht nur, dass die 60% Prozent, die sich nicht an der Wahl beteiligt haben, gut daran getan hätten, den extremen Parteien contra zu bieten.

Kommentare

Marcus Kowalski kommentierte auf Facebook

was für eine sinnfreies gelaber !!!

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Ida Stehtse kommentierte auf Facebook

Marcus: Was für eine sinnfreie Rechtschreibung! :)

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Sternwurst Bratburg kommentierte auf Facebook

Was der Autor für "Die richtige Partei" hält, will ich bei dieser Aussage nicht hinterfragen. Und die Aussage, dass das "Heruntereißen der Wahlplakate von zwei Parteien" eigentlich nicht schade ist, ist ja schon förmlich das Sahnehäubchen von Intoleranz. Aber so kennen wir sie ja, die Bild-Zeitungslesenden Gutmenschen...

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Marcus Kowalski kommentierte auf Facebook

Ida : ohhh die Polizei für richtiges schreiben ist wieder unterwegs ... Kennste das wenn man was abwärtendes schreiben will sich dann aber nochmal umentscheidet und dann nur 1 Buchstaben vergisst ganz schlimm dann schreib ich's eben anders ....was für eine sinnfreie scheisse !!

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Ronny Schumann kommentierte auf Facebook

Mit der Abw"ä"rtung siehts da schon wieder anders aus ;-)

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Torsten Schmidt kommentierte auf Facebook

hoffentlich baut einer die wahlplakate ab.

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Volker Bartuschka kommentierte auf Facebook

Autoren, die Straftaten gut finden... naja!

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Nutzerbild von Willie WildgrubeWillie Wildgrube kommentierte

Falls das eins vergessen hat:

Meckern wäre meine Aufgabe. Der Artkel ist gut so. Danke!

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Nutzerbild von InchInch kommentierte

Hm

Merkwürdige Leser hast Du hier.

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