Liebesbriefe nach Leipzig: Die besondere Beziehung von Trude und Kurt

Vor hundert Jahren verändert der Erste Weltkrieg nicht nur das Leben der Liebenden Trude und Kurt. Eine digitale Doku-Soap erzählt nun ihre Geschichte. Tag für Tag.

 

Fotos: Screenshots

Passt ein ganzes Leben in einen Koffer? Nun, vielleicht haben darin sogar zwei Platz. Der Koffer jedenfalls, den Baldur Quilitzsch von seiner Tante Trude Quilitzsch geerbt hat, erzählt eine große Geschichte, eine Liebesgeschichte in Zeiten des Krieges. Mehr als 1000 Briefe und Feldpostkarten hat der Nachfahre darin gefunden. Geschrieben hat sie Kurt Roitzsch, Jurist und Leutnant in einem Königlich-Sächsischen Infanterie-Regiment. Adressiert sind sie an seine Liebste in Leipzig. Die  zärtlichen Zeilen erzählen viel über Leiden, Liebe und auch Leipzig.

Dank Baldur Quilitzsch kann nun die ganze Welt die Geschichte des Paares im Netz nachlesen. Er hat die in Sütterlin verfassten Briefe und Karten gelesen und abgetippt. Im Internet veröffentlicht er sie nun auf den Tag genau einhundert Jahre später, Stück für Stück. So entsteht eine digitale Doku-Soap, die fasziniert und fesselt. Denn Kurt hat Trude beinahe täglich geschrieben. Schonungslos berichtet er von der Front. Bis 2018 soll der Briefwechsel im Internet fortgeführt werden. Wer wissen will, wie die Geschichte ausgeht, der kann stetig weiterlesen.

Nicht nur der Krieg steht dabei einem glücklichen Ende ihrer Liebe im Wege. Die Beziehung zwischen dem Kindermädchen Trude aus Bad Kösen und dem ehemaligen Fürstenschüler Kurt ist nämlich nicht standesgemäß. In jedem Fall muss beide viel verbunden haben. In Kurts Zeilen liegt viel Leidenschaft. Aber auch Eifersucht.

"Muß ich Deinen Andeutungen entnehmen, daß noch andre zarte Fäden zu Dir führen, als wir gesponnen haben? Wenn das wahr ist, dann habe ich das Vertrauen zu Dir, daß Du mir nichts verschweigst. Denn wenn ich ein Mädel gern habe und sie mich, dann will ich sie ganz allein haben",

schreibt er ihr im Dezember 1913. Der Beginn der Romanze steht schon im Netz. Mal ist sie da sein schönes Kind, mal seine liebe Maus, dann wieder sein schönes Trudchen – oder sein liebes kleines Teufelchen. Allein wegen Kurts Sprache und Wortwahl sind die Briefe ein Genuss. Man könnte sie nicht besser erfinden.

Für Leipziger stoßen die Briefe zudem eine Tür in eine andere Zeit auf. Sie können so nachlesen, wo beide damals Leidenschaft und Zeit geteilt haben. Ob Gohlis, das Forsthaus Raschwitz oder der Spaziergang durch das Rosental – so viele Orte und Namen sind vertraut und haben heute doch nur noch wenig mit den Plätzen von einst gemein. Die Bürgerstadt, von der Oberbürgermeister Burkhard Jung so gerne spricht, hat immerhin 1913 noch existiert. Es ist ein großes Geschenk, ihr nachspüren zu dürfen. Aus vermeintlich banalen Beiläufigkeiten entsteht ein Bild, das lange im Kopf bleibt.

 

Über den Autor:

Alex hat eigentlich nur einen Kritikpunkt. Die grandiose Geschichte ist für ihn wegen der PDF-Dokumente recht umständlich zu lesen. Dass er es trotzdem tut, spricht Bände.

Kommentare

Kar La kommentierte auf Facebook

Klingt echt spannend!!!

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Marlène-Bijoux Metz kommentierte auf Facebook

Nach Lesung der ersten Briefe bin ich tief berührt.

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Mareike Koch kommentierte auf Facebook

So schön!!! Ein toller Fund und alle Achtung vor der Arbeit, die darin steckt!

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