| Martin Meißner

Was wird nun aus dem Wilhelm-Leuschner -Platz am Ring?

Am Wilhelm-Leuschner-Platz wird die nächsten Jahre kein Freiheits- und Einheitsdenkmal entstehen. In der letzten Woche kamen sehr unterschiedliche Vorschläge zur Zwischennutzung auf. Von Parkplatz bis Park war alles dabei. Welches Konzept halten Sie für das sinnvollste?

 

Jürgen Kasek, Die Grünen

Den sinnvollsten Vorschlag für das Areal hat meines Erachtens das Stadtforum Leipzig  mit dem Markthallenviertel unterbreitet, das an die historische Bebauung anknüpft. Von meiner Fraktion stammt auch der Antrag dort wieder eine Markthalle zu errichten. Dann bleibt die Frage: was passiert mit dem Areal um die City Tunnel Station, welches einst das Einheits- und Freiheitsdenkmal werden sollte? Nach unserer Vorstellung kommt es erst zum 50. Jahrestag.

Aus meiner Sicht bietet sich dafür ein Stadtpark mit Bänken und Spielplatz an. Denkbar wäre dafür, dass man analog des Temeplhofer Feldes, die Zäune beseitigt und das Ganze den Bürgern übergibt und damit Raum für Entwicklung schafft oder mit einem größeren finanziellen Aufwand einen temporären Park schafft.

Parkplätze halte ich aus verschiedenen Gründen überhaupt nicht für sinnvoll. Zum einen schaffen wir damit eine Zunahme des MiV,  Stichwort induzierter Verkehr, was negative Auswirkung mit sich führt: Lärm, Dreck und Unfallrisiken. Zum anderen gibt es da auch noch das Argument Vertrauensschutz gegenüber den Parkhausbetreibern in der Innenstadt und der Zielkonflikt mit der Planung für eine autoarme Innenstadt. Letztlich also nicht durchdacht und nicht sinnvoll. Wir haben schon genug Parkplätze. Also einfach den Bürgern die Fläche geben, Gefahrstellen beseitigen und Raum für Veränderungen schaffen.

Mehr zur Diskussion übrigens auch hier.

 

Ute Elisabeth Gabelmann, Piraten

Ah, die anderen Parteien haben ihr Herz für den Leuschnerplatz entdeckt. War bisher außer Markthalle, S-Bahn-Ausgang und lebensnotwendigem Einheitsdenkmal nicht viel zu vernehmen, überbietet man sich jetzt mit mal mehr, mal weniger kreativen Vorschlägen.
Als wir Piraten im Frühjahr ganzheitliche Nutzungskonzepte für den ehemaligen Königsplatz und das weggebombte Markthallenviertel forderten und zur Einsendung von Ideen aufriefen, hielt man sich da noch vornehm zurück.

Es geht ja um was! Und zwar nicht weniger als um die letzte verbliebene Brachfläche der City. Und will man da nicht schon wieder mit ähnlich gruseliger Schönheit wie Uni-Campus, Geisteswissenschaftlichem Zentrum oder dem drölfzigsten Hotel erschlagen werden, sollten wir mal die Ideen fließen lassen. Da wirken mir selbst für eine bloße Zwischennutzung die beiden Vorschläge aus FDP und von den Grünen noch enttäuschend brav - insbesondere, weil sie ihrer Stichrichtung nach typisch und erwartbar waren. Mei, wir könnten doch auch mal Überraschendes tun!

Aber wie immer wird drauflos geschossen, ohne überhaupt mal Sinn und Ziel zu kennen. Zuerst sollte man doch mal - ganz klassisch  - das Ziel definieren: was wollen wir denn überhaupt mit dem Leuschnerplatz langfristig anfangen? Es ist ein großer Unterschied, ob er bebaut oder begrünt werden soll. Ob er offen für alle Bürger der Stadt bleiben oder Geld abwerfen soll (beides schließt sich leider überwiegend aus). Ob er historisch korrekt oder funktional werden soll. Soll das Bowlingcenter bleiben oder sprengen wir das weg?

Erst danach kann man überlegen, welche Zwischennutzung zu diesem langfristigen Plan passt. Wollen wir dort bebauen, wäre aktuell die weitere Nutzung als Parkplatz egal. Sie würde wenig kosten, man müßte nicht viel ändern und beim Bebauen wird eh alles weggerupft. Eine Zwischennutzung als Park bietet sich dann an, wenn man auch künftig eher in Richtung offene Grünfläche gehen will. So lohnt sich die zu investierende Mühe, man kann gleich Nägel mit Köpfen machen und es würde nicht der furchtbare, auch ideelle Schaden entstehen, wenn nach Ende der Zwischennutzung plötzlich alles dem Erdboden gleich gemacht würde (wie es vielen Zwischennutzungs-Stadtgärten passiert).
Will heißen: Zwischennutzung und Anschlußverwendung sollten schon harmonieren.

Jetzt aber doch die neugierige Frage an alle Weltnest-Leser, -Macher und -Autoren sowie meine geschätzten Mitschreiber: was soll's denn werden mit dem Platz? Schreibt mir einfach unter leuschnerplatz@piraten-leipzig.de
Zusammen kriegen wir das hin.

 

René Hobusch, FDP

Ich hatte die klamme Stadtkasse und die leere Brache am Wilhelm-Leuschner-Platz im Blick, als ich letzte Woche vorschlug, selbigen als temporäre Parkfläche zu nutzen.
Was ist mir da wieder alles in den Kommentarzeilen entgegengeschlagen, liebes Weltnest... Autofahrerpartei, Parkplätze für die SUVs, satirische Beiträge einer Spaßpartei, Hubschrauberlandeplatz für Banker und Spitzenmanager etc. Und obendrein begann ein Überbietungswettbewerb der politischen Mitbewerber: Stadtpark samt Spielplatz, wollen die Grünen, die Piraten einen Streetart-Park.
Nun, ich bleibe dabei: Am einfachsten und kostengünstigsten ist meiner Ansicht nach eine Nutzung als Parkplatz. Ja, für Pkw, aber natürlich auch für Busse, für die es in den besucherstarken Monaten ohnehin zu wenig Parkmöglichkeiten in Innenstadtnähe gibt. Spätestens die Weihnachtszeit wird es zeigen. Einfach und kostengünstig, denn ein Gros des Platzes ist bereits befestigt. Weitere Teile lassen sich einfach aufschottern und dann ebenfalls als Parkplatz nutzen. Und die Betreibung schreibt die Stadt einfach aus, wird damit zum Vermieter der Flächen und trägt selbst kein wirtschaftliches Risiko. Gleichzeitig kommen sichere Einnahmen in die chronisch klamme Stadtkasse. Vielleicht lassen sich auch noch weitere Nutzungen finden: Carsharing, E-Mobility etc.

Natürlich ist das nur eine vorübergehende Lösung. Der Platz braucht ein dauerhaftes Konzept, nachdem das Freiheits- und Einheitsdenkmal darauf erst einmal zu den Akten gelegt wurde. Eine vermietete Parkfläche kostet da nichts, im Gegenteil, sie bringt noch Geld. Und der Platz verloddert nicht noch weiter.

 

Juliane Nagel, Die Linke

Es ist interessant, wie so manche politische Akteure, die das Freiheits- und Einheitsdenkmal um jeden Preis wollten, sich nun in Alternativvorschlägen für die Gestaltung des Leuschner-Platzes überbieten. Dabei bleibt unklar über was genau gesprochen wird.
Die eigentliche Wilhelm-Leuschner-Platz ist nur die Fläche zwischen Peterssteinweg und Ring westlich der Markthallenstraße, östlich-mittig davon findet sich die Fläche für die Markthalle und nördlich davon der Platz, auf dem das Freiheits- und Einheitsdenkmal vorgesehen war.
Es gibt bzw. gab diverse Planungen und Foren zur Entwicklung des Areals. Aber so richtig vorwärts geht es an keiner Stelle. 2008 wurde die Errichtung einer Markthalle an ihrem historischen Platz im östlichen Teil des Platzes vom Stadtrat beschlossen. Dies wäre mit der Veräußerung des Geländes an einen privaten Investor verbunden. DIE LINKE stand und steht diesem Vorhaben skeptisch gegenüber. Denn: braucht es tatsächlich noch mehr Einkaufsflächen?
An der Markthalle wie auch dem ehemals geplanten FED hängt jedoch auch die Umfeld-Gestaltung.
Ich denke, dass das Areal als Ganzes entwickelt werden muss. Vielleicht braucht es auch einen kompletten Neustart.
Auf jeden Fall sind auf diesem Weg intensive Beteiligungsverfahren nötig, die nicht nur Schein sein dürfen.
Unter anderem das Stadtforum hat einige Ideen auf den Tisch gepackt.

Ich persönlich sympathisiere natürlich damit zumindest Teile des Areals bzw. den eigentlichen Wilhelm-Leuschner-Platz als Mix aus öffentlich zugänglichen Grünflächen und Freiraum für künstlerische und jugendkulturelle Projekte und Nutzungen zu gestalten.
DIE LINKE hat die Stadt Leipzig im Juli 2014 beauftragte Räume zur Errichtung eines Skateparks zu prüfen. Auch diese Idee ließe sich hier einspeisen.

 

Markus Walther, CDU

Der Wilhelm-Leuschner-Platz ist groß genug, um möglichst viele von den verschiedenen Ideen aufzugreifen, die es in den letzten Tagen gab. Am sinnvollsten wird es deshalb sein, so viele gute Vorschläge wie möglich zu kombinieren.
Im Osten des Platzes Richtung Roßplatz ist genügend Raum, eine Markthalle zu errichten, die viele Fürsprecher hat. Im Norden des Platzes steht immer noch der alte Bowlingtreff, dessen Umnutzung auf sich warten lässt. Ihn beispielsweise als Partyraum zu öffnen, könnte dem Leuschner-Platz einen positiven, vielfältigen Charakter verleihen.
Die danach verbleibende Fläche ist immer noch groß genug, um sowohl den Wunsch nach einem Park oder einer Platz-Park-Mischform einerseits und nach Parkmöglichkeiten andererseits zu erfüllen.
Sollte sich dann in einigen Jahren möglicherweise die Frage des Freiheits- und Einheitsdenkmals neu stellen, kann der Parkplatz weichen und benötigten Raum zur Verfügung stellen.

 

Katharina Schenk, SPD setzt diese Woche aus, da sie aufgrund der Koalitionsverhandlungen in Dresden keine Zeit hat.

 

Martins Fazit

Da war ja schon mal viel schönes dabei. Ich bin für die einfachste Lösung: Wir bennen die gesammte Fläche einfach in "Platz der blühenden Landschaften" um und lassen ansonsten alles wie es ist. Da hätten wir ganz ohne Kosten etwas Schönes für das Jubiläum.

Ich bin natürlich für weitere Vorschläge in den Kommentaren offen.

Über den Autor:

Martin möchte eigentlich nur, dass der Platz nicht wieder Königsplatz heißt.

Kommentare

Nutzerbild von SchorchSchorch kommentierte

Königsplatz

Ich teile deine Meinung, Königsplatz darf er nicht wieder heißen. Hoffentlich denken noch mehr Leipziger so! Was die Vorschläge angeht, ist mir ein wenig das Gesicht eingeschlafen. Parkplatz? -totaler Unfug! Spielplatz in der Innenstadt? - irgendwie auch Unfug! Skatepark? - nagut, in einer Ecke vorstellbar. Partyraum Bowlingtreff? - absoluter Unfug! Man müsste wirklich eine Form finden, die es ermöglicht, schnell etwas auf die beine zustellen und es auch schnell wieder abzubauen. Die derzeitige Nutzung mit dem temprären Pavillion zeigt finde ich sehr schön, dass man den Platz auch ohne Gefahr betreten kann. Das könnte Mut für mehr derartige Kurzzeitaktionen machen.

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Dolce Amaro kommentierte auf Facebook

Ich bin für Park / Grünfläche

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Ro Schu kommentierte auf Facebook

Ne Hundewiese wäre doch nett ^^

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Denîz Birchwood kommentierte auf Facebook

Ich wäre für ein Loch.

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Nutzerbild von Heinz aus BornaHeinz aus Borna kommentierte

Parkplatz - nein Danke!

Zunächst einmal ist traurig und beschämend, dass sich unsere Stadtväter nicht zu einem Denkmal durchringen konnten. Leipzig sollte sich endlich nicht nur mit Einwohnerzahlen wegen des "Besseren als Berlin" als Großstadt auffallen. Leipzig ist eine geschichtsträchtige Stadt und soll sich auch so aufstellen. Was hätte besser als gepasst als ein Denkmal in der Stadt wo der Umbruch einst began.. Nun, daran ist nichts mehr zu ändern. Das wichtigste ist nun, dass bei der nun folgenden Planung keine Fehler gemacht werde. In diesem Zusammenhang fällt oft das Wort "Zwischennutzung". Warum erst zwischennutzen? Die Fläche liegt seit Jahren Brach, also tun 2 oder 3 Jahre keinem mehr weh. Parkplatz, ja klar.. für viele hundert Million eine S-Bahn bauen um das Umland anzubinden und dann doch wieder die Leute motivieren mit dem Auto zu kommen und direkt neben der Station parken. Bei solchen Vorschlägen wird einem klar, warum Wahlergebnisse so ausfallen, wie sie ausfallen. In der Tat ist es äußerst schwer etwas sinnvolles zu finden, außer der Geschichte Platz zu bieten. Zählen wir mal auf was wir alles schon im Überfluss haben, Marktfläche (Altes Rathaus, Opernplatz), Shoppingzentren, Hotels, Bürogebäude, Wohnungen, Parkhäuser und Parks/Grünfläche sind eigentlich auch genügend da, zumindest auf dieser Seite des Rings..(obwohl uns durch eine nicht näher genannte Institution ein großes Stück Grünfläche unnötigerweise gleich gegenüber genommen wurde). Eins muss aber immer gewährleistet bleiben, der Platz darf nicht in die Hände Privatinvenstoren fallen und sollte etwas für die Öffentlichkeit beherbergen und für Jedermann zugänglich bleiben.

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Nutzerbild von Heinz aus BornaHeinz aus Borna kommentierte

Entschuldigung ..

.. für die vielen Rechtschreibfehler! Nicht mein Tag...

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Penny Parts kommentierte auf Facebook

Diese S-Bahn-Station mit Klohauscharme verdient einen Park als Ausgleich.

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Nutzerbild von IslamfroindIslamfroind kommentierte

Tätäääää

Ich bin für noch 'ne Moschee!!! Oder Asylantenheim!!! Oder beides!!!

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