Zu viel Land in Sicht. Wie geht es weiter mit dem Lindenauer Hafen?

Obwohl die Stadt schon viele Millionen Euro im Lindenauer Hafen versenkt  investiert hat, wurde noch kein einziges Grundstück an Investoren verkauft. Wenn sich das bis zum 30. Juni 2016 nicht geändert hat, soll der Stadtrat über eine Neuausrichtung des Projekts entscheiden. Aber wie könnte so eine Neuausrichtung aussehen?

René Hobusch, FDP

Fest steht, mit dem Lindenauer Hafen hat die Stadt Leipzig ordentlich Schiffbruch erlitten - Rettung ungewiss!

Wieder und wieder wird der Dampfer Leipzig vor den Eisberg gefahren und die Kapelle spielt weiter das fröhliche Lied von der wachsenden Stadt. Getoppt wird das nur noch vom Versuch, den Investoren die Schuld in die Schuhe zu schieben. Die tanzen offenbar nicht nach der Pfeife von Gouvernante Dubrau.

Dabei ist des Rätsels Lösung ganz einfach: Ein Investor will mit einem solchen Projekt Geld verdienen. Mit diesem Geschäftsmodell ernährt er meist sehr viele Menschen - vom Maurer über den Bodenleger bis hin zum Gärtner. Für Verluste gibt es in der Privatwirtschaft keine Stadtkasse. Dort stehen die Menschen mit eigenem Geld dafür gerade. Offenbar braucht unsere Stadtspitze dringend einen Crash-Kurs in Wirtschaft.

Die Seenot am Lindenauer Hafen erfolgt mit Ansage: Zu knapp kalkuliert, zahlreiche Konkurrenzprojekte und - so ehrlich muss man sein - ein Immobilienmarkt, der noch nicht die Erlöse bringt, die für den Hafen nötig sind. Und am Ende wurde wohl auch nicht mit offenen Karten gegenüber denjenigen gespielt, die bereit waren, privates Geld zu investieren. Da streichen dann die Investoren folgerichtig die Segel. Denn ein privater Investor wird nie freiwillig ein Projekt starten, das er sich selbst schönrechnet, um besser schlafen zu können. Und genau darin unterscheidet er sich von der Stadtspitze von A wie Albrecht über D wie Dubrau bis R wie Rosenthal.

 

Nils Oberstadt, CDU

Die Erschließung und Entwicklung des Lindenauer Hafens ist grundsätzlich eine gute Idee gewesen. Das Wassernetz der Stadt Leipzig soll dadurch erweitert und verbunden werden, ebenso die Stadteile Lindenau und Grünau und es soll ein attraktives Wohngebiet und Ausflugsziel entstehen.

Jedoch ist bei der Entwicklung enorm viel versäumt worden. Einfach vielleicht dadurch, dass die falschen Leute an den falschen Stellen saßen. Bei dieser enormen Investitionssumme kann es nicht richtig sein, dass noch kein einziges Grundstück verkauft wurde und nun sogar Investoren abspringen. Vielleicht sollte man, wenn man mit Investoren ein Gebiet entwicklen möchte, auch seine Absprachen einhalten, bzw. mit diesen die Entwicklungspläne gestalten und nicht eigene Ideologien verfolgen. Aber was genau schief gelaufen ist, muss nun unnachgiebig aufgearbeitet werden.

Zumindest ist nun ein erster Schritt getan, die Vermarktung sollen nun Leute vornehmen, die darin erfahren sind. Ob dies nun noch bis 30. Juni 2016 von Erfolg gekrönt sein wird, wird sich herausstellen. Ich würde es mir wünschen.

Bis dahin hat die Verwaltung nun Zeit herauszuarbeiten, warum Investoren abspringen? Warum noch kein Grundstück verkauft wurde? Eine solche Analyse muss für eine profunde Entscheidungsmöglichkeit über eine Neuausrichtung des Gebietes vorgelegt werden! Ein paar Punkte kann man aber bereits jetzt schon feststellen. Die Pläne müssen mit Experten zur Vermarktung auf ihre Realität überprüft werden. Zudem muss dringend die unrealistische Parkraumplanung überarbeitet werden und den vorliegenden Umständen angepasst werden.

 

Katharina Schenk, SPD

Redesign oder Neuausrichtung ist im Journalismus in der Regel das Todesurteil für ein Produkt. Beim Lindenauer Hafen geht es aus meiner Sicht momentan jedoch nicht darum, über eine grundlegende Neuausrichtung nachzudenken, auch wenn ich einsehe, dass ein Hafengrundstück oder eine Seeblickwohnung idealer Weise ein Wasserbecken benötigen. Dieses ist ja aber ganz offenbar nur in den Ausschreibungen und Karten der Pressemitteilungen des Dezernats von Frau Dubrau Realität.

Fakt ist: Ein Investor ist abgesprungen, ein neuer steht in Aussicht. Man muss sehen, was nun passiert. Mir fehlt momentan die Kenntnis der Grundstücke etc. um zu sagen, was man sonst noch dort machen könnte – aber ich bin sicher: sollte es auf einmal doch kein Interesse mehr an Wohnungen in der schönsten Stadt Ostdeutschlands geben, wird uns etwas anderes einfallen. Schön wäre doch zum Beispiel, die Wohnungen wären nicht nur im obersten Preissegment erhältlich. Ich denke auf den expliziten Wasser- oder Hafenblick sind einige bereit zu verzichten. Und klar ist ja sowieso: Luxuswohnungen haben wir genug. Um ihretwillen sollten keine Abstriche bei Nachhaltigkeit etc. gemacht werden. Dann doch lieber: Redesign.

 

Lorenz Bücklein, Die Grünen

Ganz so weit ist es ja doch noch nicht. Aber es zeigt sich gerade sehr deutlich, dass die Planungen der Stadt und damit die des alten Baubürgermeisters zur Nedden viel zu ambitioniert waren. Wir sollten uns mal alle vor Augen halten, dass vergleichbare Projekte in dieser Größenordnung durchaus auch mal um die 15 bis 20 Jahre zur vollen Entwicklung benötigen. Da waren die anvisierten fünf Jahre schon sehr knapp kalkuliert.

Wir haben in der Vergangenheit auch nicht umsonst vor den zu hohen Kosten dieses Vorhabens gewarnt. Dass die Refinanzierung über Investoren ein ambitioniertes Vorhaben darstellt, bewahrheitet sich gerade sehr deutlich. Dennoch gibt es bereits Reservierungsvereinbarungen für Grundstücke und eine erweiterte Vermarktungsstrategie für die Grundstücke. Über eine Neuausrichtung jetzt zu diskutieren, scheint im Moment nicht wirklich angebracht.

Das Projekt profitiert sicherlich in hohem Maße auch vom Wachstum und Bauboom in Leipzig. Eigentlich möchte man sich gar nicht ausmalen, welche Entwicklung der Lindenauer Hafen nehmen würde, wenn wir nach wie vor eine schrumpfende Stadt als Maßstab zugrunde legen müssten.

 

Ute Elisabeth Gabelmann (Piratenpartei) ist durch ihren Sitz im Stadtrat Aufsichtsratsmitglied der LESG GmbH, einer Gesellschaft, die unter anderem für die Entwicklung des Geländes "Lindenauer Hafen" zuständig ist. Sie hat zwar als Aufsichtsrätin nur eine kontrollierende Funktion und darf in die Firmenentscheidungen nicht eingreifen. Trotzdem findet sie, daß es ein Interessenskonflikt sein könnte und setzt daher bei dieser Frage aus.

 

Martins Fazit

Hoffentlich wird alles gut. Es muss einfach gut werden. Einen Plan B gibt es nicht. Auf die Frage nach einer Alternative, wird erstmal ein Schuldiger präsentiert.

Ideenlosigkeit ist aber immer noch besser als Quatsch. Wie lange müssen wir noch darauf warten bis der Erste mit einem Plan für eine kommunale Elektrobootmanufaktur am Hafenbecken um die Ecke kommt? Hoffentlich noch lange.

Über den Autor:

Martin nutzt die Zeit ohne Bebauung für ein paar Open-Air Partys und Fahrten über die BMX-Strecke. Denn schon jetzt hat der Lindenauer Hafen viel zu bieten.

Kommentare

Peter Detzer kommentierte auf Facebook

Martin hat Leipzig- Stadt Für Alle zwar nicht gefragt, aber das Netzwerk antwortet trotzdem auf seiner Facebook-Seite (https://www.facebook.com/LeipzigStadtFuerAlle/posts/877314615659944): "LWB, große und kleine Genossenschaften sowie "Baugruppen" im kollektiven Eigentum (z.B. Gruppen im Verbund des Mietshäuser Syndikats, Ein-Haus-Genossenschaften und andere mehr) übernehmen die Grundstücke im Erbbaurecht von der Stadt Leipzig, die somit Eigentümerin bleibt, und bauen neu. Nicht alles gleich in den nächsten beiden Jahren, sondern Stück für Stück, aber dafür für dauerhaft vergleichsweise günstige Neubaumieten. Renditeorientierte Investoren tummeln sich bereits überall in der Stadt, vor allem im benachbarten Lindenau und Plagwitz, und bauen dort fast immer nur im Hochpreissegment. Beispiele aus der Schweiz und aus anderen deutschen Städten zeigen, dass dies nicht nur funktionieren kann, sondern langfristig auch wirtschaftlicher ist."

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Peter Detzer kommentierte auf Facebook

Hierzu noch ein Artikel aus Süddeutsche Zeitung von heute: "Zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Genossenschaften schaffen günstige Wohnungen." http://www.sueddeutsche.de/geld/wohnungsbau-zwischen-wunsch-und-wirklichkeit-1.2475838

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